Schreiben, um zu verstehen, was ich denke

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Tolle Titel, zu denen es noch keine Texte gibt:

Das Bein der Grille.

Bevor wir gehen

Der letzte Cappuccino

Endlich Worte für das Licht

Einfach Holz

Das Ende des Sommers und noch immer Sonne

Danke trotzdem

Du mir auch

Die freundlichen Rebellen

Nächte auf Heliotrop

Für viele Autor*innen ist Schreiben eine Möglichkeit, um sich und die Welt zu verstehen. Susan Sontag drückte es pointiert aus: «Ich schreibe, um zu verstehen, was ich denke.»

Der Philosoph Georg W. Bertram sagt, dass wir im Verstehen Freiheit erlangen, was uns zu eigenständigem Handeln befähigt. Eigenständige Positionen, die das Gemeinwohl mitberücksichtigen, das hat unsere krisengeschüttelte Zeit dringend nötig. Denn «Was alle angeht, können nur alle lösen»! (Das war Dürrenmatt)

Wer versucht, sich die Welt verständlich zu machen, öffnet das Denken für neue Möglichkeiten und gibt sich nicht zufrieden mit Da-kann-man-nichts-machen. Resignation ist für einen um Verständnis bemühten Menschen keine Option.

Verstehen erschöpft sich nicht im Analysieren und Evaluieren von Tatsachen. Verstehen involviert Imagination. Schreibend öffnen wir unser Denken für Möglichkeiten und Lösungen, für neue Sichtweisen und kommen der Wahrheit vielleicht ein Stück näher? «…wer sich über die Wirklichkeit nicht hinauswagt, der wird nie die Wahrheit erobern.» (Danke, Schiller!)

Und da fällt mir noch ein ganz anderer Vergleich ein: Schreiben als Yoga für Kopf und Herz? Wenn man Yoga als Bild für eine gewisse Haltung, eine Art und Weise in der Welt zu sein, auffasst, passt es nicht schlecht als Vergleich zum Schreiben. Die Yoga-Praktik erschöpft sich nicht mit den Asanas, die man ein bis zwei Mal wöchentlich im Yoga-Studio praktiziert. Yoga ist eine Lebensform, die mich durch den Alltag begleitet. Ein Bewusstsein für den eigen Körper, meine Gedanken und Gefühle. Yoga lehrt mich, meinen Atem zu beobachten, meine Sitzhaltung, aber auch meinen Umgang mit Menschen. Ähnlich ist es mit dem Schreiben. Texte entstehen nur ca. zu 10% am Schreibtisch. Alles andere passiert im Alltag, durch Beobachten, Fragen, sich Wundern, Ärgern und Freuen. Schreiben bedeutet Welt aufnehmen und sie durch eigene Worte verständlich machen. Schreiben schult die Aufmerksamkeit für sich und die Mit-Welt.

Schreibend mache ich mir die Welt zu eigen. Ob ich über das kunstvolle Spinnennetz, das im Morgenwind schaukelt, sinniere, mir wegen dem von Open AI selbst ausgelösten Cyberangriff Sorgen mache oder in die Untiefen meiner Nachtträume hinabsteige, immer sind es meine Gedanken, die sich mit der Welt verknüpfen - und ich, die verstehen will. Ich strecke meinen Geist aus, dehne ihn bis zur Schmerzgrenze und mache ihn widerständig und offen für Verständnisse.