Ein Plädoyer fürs Schreiben

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Tolle Titel, zu denen es noch keine Texte gibt:

Das Bein der Grille

Bevor wir gehen

Der letzte Cappuccino

Endlich Worte für das Licht

Einfach Holz

Das Ende des Sommers und noch immer Sonne

Danke trotzdem

Du mir auch

Die freundlichen Rebellen

Nächte auf Heliotrop

«…und wer sich über die Wirklichkeit nicht hinauswagt, der wird nie die Wahrheit erobern.» (F. Schiller)

Schreibend mache ich mir die Welt zu eigen. Ob ich über das kunstvolle Spinnennetz, das im Morgenwind schaukelt, sinniere, mir wegen dem von Open AI selbstausgelösten Cyberangriff Sorgen mache oder in die Untiefen meiner Nachtträume hinabsteige, immer sind es meine Gedanken, die sich mit der Welt verknüpfen - und ich, die verstehen will. Ich strecke meinen Geist aus, dehne ihn bis zur Schmerzgrenze und mache ihn widerständig und offen für Verständnisse.

Scheiben ist für mich wie Yoga. Ok, wer Yoga nicht mag und schreibt, findet den Vergleich blöd. Wenn man Yoga jedoch als Bild für eine gewisse Haltung, eine Art und Weise in der Welt zu sein, auffasst, passt es nicht schlecht als Vergleich zum Schreiben. Die Yoga-Praktik erschöpft sich nicht mit den Asanas, die man ein bis zwei Mal wöchentlich im Yoga-Studio praktiziert. Yoga ist eine Lebensform, die mich durch den Alltag begleitet. Ein Bewusstsein für den eigen Körper, meine Gedanken und Gefühle. Yoga lehrt mich, meinen Atem zu beobachten, meine Sitzhaltung, aber auch meinen Umgang mit Menschen. Ähnlich ist es mit dem Schreiben. Texte entstehen nur ca. zu 10% am Schreibtisch. Alles andere passiert im Alltag, durch Beobachten, Fragen, sich Wundern, Ärgern und Freuen. Schreiben bedeutet Welt aufnehmen und sie durch eigene Worte verständlich machen. Schreiben schult die Aufmerksamkeit für sich und die Mit-Welt.

Der Philosoph G.W. Bertram sagt, dass wir im Verstehen Freiheit erlangen, was uns zu eigenständigem Handeln befähigt. Eigenständige Positionen, die das Gemeinwohl mitberücksichtigen, das hat unsere krisengeschüttelte Zeit dringend nötig. Wie sagte Friedrich Dürrenmatt? «Was alle angeht, können nur alle lösen»!

Wer versucht, sich die Welt verständlich zu machen, öffnet das Denken für neue Möglichkeiten und gibt sich nicht zufrieden mit «Da kann man nichts machen». Resignation ist für einen um Verständnis bemühten Menschen keine Option. Und um abschliessend das eingangs erwähnte Schiller-Zitat aufzugreifen: Es reicht nicht, die Wirklichkeit zu analysieren und zu vermessen, wir müssen auch imaginieren, träumen und uns vorstellen, wie eine bessere Welt aussähe. Schreiben ist eine Denkschule, in der wir unser Vorstellungsvermögen, die Kraft der Imagination trainieren.